Viele Menschen – und natürlich auch Christen – leiden manchmal oder auch häufig unter mehr oder weniger schlimmen Behinderungen, Krankheiten und Wehwehchen. Selbst, wenn es keine schweren oder gar lebensbedrohlichen Dinge sind, können sie zum Teil ganz schön schmerzhaft sein bzw. den betroffenen Menschen sehr beeinträchtigen. Die Arbeit fällt schwer, eventuell muss man sich sogar an der Arbeitsstelle krank melden. Auch Gottesdienst, Stille Zeit oder Aktivitäten „für Gott“ müssen ausfallen.
Mir ging es in den letzten Tagen – mal wieder – so. Ein dreitägiger heftiger Kopfschmerz, der mittlerweile zu meinen guten Bekannten zählt, da er alle paar Wochen mal „vorbei kommt“ wurde nahtlos abgelöst durch Narbenschmerzen, mit denen ich mich seit einer Operation vor mehr als drei Jahren ebenfalls häufiger herumplagen muss. Außerdem ist mein Blutdruck ziemlich wacklig und sackt auch gerne einmal so weit ab, dass selbst an einfache Tätigkeiten nicht zu denken ist und ich mich einfach nur schwach und elend fühle.
So etwas ist natürlich ärgerlich, denn es gibt ja immer irgendetwas zu tun, auch wenn man nicht erwerbstätig ist. Die Hausarbeit macht sich nicht von selbst, die Einkäufe auch nicht und den Hund kann man ebenfalls nicht ohne Begleitung aus dem Haus lassen (unseren jedenfalls nicht). Am meisten wurmt es mich jedoch, wenn entweder Bibellese bzw. Gottesdienst oder eine meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten für christliche Projekte wegen irgendeines Wehwehchens ausfallen müssen oder verzögert werden! In solchen Momenten ertappe ich mich dabei, zu fragen, ob das denn wohl so richtig sein kann – ich habe vor, irgendetwas durchaus Notwendiges und Sinnvolles für Gottes Reich oder für mein eigenes geistliches Wachstum zu tun, kann aber nicht, weil ich mich besch… fühle – da kann doch etwas nicht stimmen, oder? Eigentlich müsste Gott doch dafür sorgen, dass es mir gerade in solchen Momenten gut geht und ich leistungsfähig und „voll da“ bin – aber Pustekuchen!
Dass dieses Problem keineswegs nur eines von relativ kleinen und unwichtigen Christen wir mir ist, zeigen eindrucksvoll diese beiden Bibelstellen:
Ja, ich habe außerordentliche Offenbarungen gehabt. Damit ich mir darauf aber nichts einbilde, hat Gott mir einen Dorn ins Fleisch gedrückt. Ein Engel Satans darf mich mit Fäusten schlagen, damit ich nicht überheblich werde. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, mich davon zu befreien. Doch er sagte zu mir: "Meine Gnade muss dir genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Jetzt bin ich sogar stolz auf meine Schwachheit, weil so die Kraft von Christus in mir wirkt. Deshalb freue ich mich über meine körperlichen Schwächen, ja selbst über Misshandlungen, Notlagen, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, bin ich stark. – 2. Korinther 12,7-10 NeÜ
Trink übrigens nicht immer nur Wasser. Nimm aus Rücksicht auf deinen Magen und dein häufiges Kranksein auch ein wenig Wein zu dir. – 1. Timotheus 5,23 NeÜ
Selbst Paulus – neben Petrus gewissermaßen der „Prototyp“ aller Christen – und so ein wichtiger Mensch wie Timotheus hatten offensichtlich ihre Wehwehchen, wobei es Paulus wohl ziemlich dreckig gegangen sein muss, wenn man die Umschreibung seiner Krankheit liest. Es ist ja viel spekuliert worden, unter was der arme Apostel wohl gelitten haben könnte, aber ich denke, es steht mit Absicht dort nicht geschrieben, damit sich alle Christen, die sich auch fühlen, als würden sie „mit Fäusten geschlagen“ (oder mit glühenden Zangen gezwickt oder als hätten sie einen langen Nagel im Kopf…) irgendwie damit identifizieren können.
Ganz offensichtlich aber hat man solche Krankheiten und Wehwehchen nicht ohne Grund! Bei Timotheus steht zwar keiner, aber bei Paulus immerhin, damit er sich nichts auf seine tollen geistlichen Erfahrungen einbildet. Irgendeinen Grund wird es bei mir wohl auch haben. Eine Sache, die sich bei mir im Gegensatz zu meinen „gesünderen“ Zeiten immerhin geändert hat, ist, dass ich wirklich von ganzem Herzen dankbar bin für jeden Tag, an dem ich nicht von irgendetwas „gezwickt“ werde. Eine andere Sache ist natürlich auch, dass ich lernen muss – und das muss ich wirklich noch lernen – dass ich einfach gelassen darauf baue, dass Gott sowohl meine Aufgaben als auch meine Wehwehchen in der Hand hat und schon dafür sorgt, dass alles – in Seinem Sinne, nicht unbedingt in meinem – genauso läuft, wie es soll und wie es letztlich richtig ist! Möglicherweise ist das der Sinn der Worte: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Nur, wenn wir unseren Aktionismus sein lassen (müssen), kann Gott so zum Zuge kommen, dass wir Menschen auch wirklich merken, dass Er wirkt und nicht wir!